Lueginsland - die alemannische Spalte der Badischen Zeitung

Anfang 1976 begann die Badische Zeitung eine regelmäßige alemannische Spalte. Sie hieß "landuff, landab", in 14-tägigen Abständen glossierte Hans Schneider unter dem Pseudonym "Dengelegeischt" das Zeitgeschehen in der Region. Die Einführung der Spalte ist im Zusammenhang mit der Aufwertung des Dialekts zu sehen, die die Anti-AKW-Bewegung um Wyhl und anderswo mit sich brachte. So begann auch die erste Glosse vom Dengelegeischt am 16. 1. 1976: "S isch wyder Mode worde, alemannisch z schwätze - landuff, landab. S git immer weniger Lütt, wo sich schäme im Dialäggt z rede ..."

Fast zwanzig Jahre später, am 30. 9. 1995, gab der Dengelegeischt die Feder an den "Wunderfitz vom Wald" ab, hinter dem sich Markus Manfred Jung verbarg. Der neue Titel war "Lueginsland". Doch kaum zwei Jahre später sollte die Spalte "aus Kostengründen" eingestellt werden. Wohl täuschte man sich in der Redaktion der Zeitung auch über die in breiten Kreisen anhaltende Beliebtheit des Dialekts. Proteste waren die Folge, sie gipfelten in einer großen Anzeige in der BZ mit dem Titel: "Mir wänn d alemannisch Spalte bhalte!" Zu den über zweihundert Unterzeichnern gehörten Helmut Engler, Wissenschaftsminister a. D., Jochen Glaeser, Landrat des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, Wilfried Telkämper, Mitglied des Europäischen Parlaments und Klaus Poppen, Präsi der Muettersproch-Gsellschaft. Die 7.000 DM Kosten der Anzeige wurden von den Unterzeichnern aufgebracht. Daraufhin lenkte die Zeitung ein, die Spalte wurde unter dem alten Namen nun sogar wöchentlich fortgeführt.

Am 19. 7. 1997 eröffnete Markus Manfred Jung die neue Serie durch eine mit "Sich wehre" überschriebene Glosse. Lueginsland erscheint seither jeden Samstag; die Autoren, die sich nun wöchentlich abwechselten und abwechseln sind Markus Manfred Jung, Philipp Brucker (bis Dezember 1999), Harald Noth, Matin Schley und (seit Januar 2000) Wendelinus Wurth. Im Oktober 2007 stellte die Badische Zeitung Ulrike Derndinger als "die weibliche Stimme der Mundart" vor - sie ist seitdem die Fünfte im Team.

Am 17. 12. 2016 trennte sich die Redaktion der Badischen Zeitung nach fast 20 Jahren von Harald Noth, er hatte in fast 20 Jahren 224 der alemannischen Glossen geschrieben. Die Kündigung hatte politische Gründe: Die Glossen Noths haben oft ein konservatives Weltbild transportiert, das nicht in das rot-grüne Meinungsblatt passte. Als konkreten Anlass und Grund der Kündigung wurden aber keine Inhalte seiner Glossen angegeben, sondern Bemerkungen auf seiner privaten Facebook-Seite, in denen Kritik am "politisch-medialen Komplex" deutlich wurde. Die Badische Zeitung ist eifrige Verfechterin von Merkels Willkommenskultur, während Noth diese entschieden kritisiert.

Fir meh zum Lueginsland un zu alemannische Kolumne lueg aü do:

"Lueginsland" im "Alemannisch dunkt üs guet"

Alli Lueginsland im Briäf üs Alemanniä

Sproch: Vrwandtschaft - Glickwinsch - D nämlig Rass*
Bolitik: S Urteil - Hedy Epstein 
Griäg un Friide: Grizzug - E elige Fade - Sebelrassle
Soziales:  Orientalische Sunntig - Arbetslos
Müssik, Literatür, Theater: Fisherman's Rise - Ohni Di - Elisabeth Walter - Schwizerbue - S Fiir
Kirch un Religion: 2000 noch Chrischtus - Ke Kart, wu basst
Umwält un Natür: S Rotkählili* - D Amsle
* externs Gleich (externe Link)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Beliebtheit des Dialekts unter den Lesern der Badischen Zeitung wurde noch weitere Male aktenkundig: An einem Übersetzer-Wettbewerb der BZ im Jahr 2000, bei dem ein Text aus Asterix ins Alemannische übersetzt werden sollte, beteiligten sich 502 Menschen - eine fast unglaubliche Zahl. Bei einer Umfrage von Friedel Scheer-Nahor, in der Mundartwörter gefragt waren, registrierte die BZ an die 1400 Einsendungen - auch dies ein überwältigender Erfolg. Bei einem Schreibwettbewerb (Poesie und Prosa) in Mundart ("Mir sueche die Beschte"), ausgeschrieben von der Badischen Zeitung, dem SWR und der Muettersproch-Gsellschaft im Spätjahr 2004, gab es 288 Einsendungen - die BZ sprach von "überraschend großem Zuspruch". 

Die Dialektschreibung wird nirgends gelehrt und ist nicht genormt; die bis zu 500 Leute, die auf einen Aufruf hin zur Feder greifen, um Alemannisch zu schreiben, sind die mutigsten und nur die Spitze eines viel größeren Eisbergs von Liebhabern des Dialekts.. 

Zruck nuf.