Wer ist ein Moslem?
Der Islam als Karriereturbo.

Nach der Wahl von Muhterem Aras zur Präsidentin des Landtags in Baden-Württemberg am 11. Mai 2016 vermeldete eine Nachrichtensprecherin des SWR mit Stolz: „Erstmals ist eine Muslimin Präsidentin eines deutschen Parlaments“. Auch Aras selbst bekannte sich indirekt zum Islam, als sie ihre Wahl kommentierte: „Die Fraktion hat die beste Antwort auf die Frage gegeben, ob der Islam zu Deutschland gehört.“ Doch Muhterem Aras ist keine typische Muslimin, sondern Tochter kurdischer Aleviten und Mitglied in der Alevitischen Gemeinde Stuttgart e. V.

Die Aleviten machten 2008 in Deutschland 12,7% der als Muslime angesehenen Menschen aus. Von den Sunniten (74,1%) Schiiten (7,1%) und anderen unterscheiden sie sich beträchtlich: Sie missionieren nicht, nehmen den Koran nicht wörtlich, dürfen Alkohol trinken, kennen nur die Einehe. Sie verehren Ali, den Schwiegersohn Mohammeds, mehr als den Propheten selbst. Ihre Glaubenspraxis unterscheidet sich grundlegend von Schiiten und Sunniten. Sie werden von den anderen Konfessionen nicht als Muslime anerkannt und manche Aleviten sehen sich auch selbst nicht als Moslems. In der Türkei blicken sie auf schwere Verfolgungen zurück, so 1978 in Kahramanmaras, wo sie massakriert und geplündert wurden.

Da sie von der sunnitischen Mehrheit nichts Gutes zu erwarten haben, sind die Aleviten entschiedene Verfechter des Laizismus in der Türkei und Gegner Erdogans und seiner (sunnitischen) Reislamisierungspolitik; meist stehen sie politisch links. Ihre Religiosität ist oft abgeflacht, wie es auch bei  vielen christlichen Deutschen der Fall ist. Sie sind in Deutschland oft mit den Linken verbündet; etwa 2011 in Kreuzberg ließen sich welche von deutschen Linken instrumentalisieren und ekelten Sarrazin bei seinem Besuch aus dem Stadtviertel hinaus.

Der Kern des islamischen Glaubens ist im Koran niedergeschrieben, der als unverfälschtes Wort Allahs angesehen wird, das durch Mohammed getreu übermittelt sei. Dass die Aleviten ihn nicht wörtlich nehmen und sich nicht schariakonform verhalten, bringt ihnen die Feindschaft und Ablehnung der Sunniten und Schiiten ein. Es ist bemerkenswert, dass auch Aleviten dennoch gerne als Vertreter aller Muslime in Deutschland auftreten oder sich mit den anderen zusammenschließen. So hatte auch die Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD), ebenfalls alevitischer Abkunft, in ihrem Amt oft Interessen des Mehrheitsislam bedient.

Aber es gibt unter den in Deutschland lebenden Abkömmlingen sunnitischer und schiitischer Gesellschaften auch welche, die mit dem Koran wenig oder nichts am Hut haben und nicht oder kaum glauben. Doch auch diese nennen sich in aller Regel Moslems oder geben sich als solche. Viele haben mit dem Islam so wenig zu tun wie Thilo Sarrazin oder Claudia Roth mit dem Christentum. Während es solchen Deutschen nie einfallen würde, als Christen aufzutreten, geben sich ungläubige oder wenig gläubige Abkömmlinge sunnitischer, schiitischer und kleiner Konfessionen oft als Muslime. 

Das kann verschiedene Gründe haben:

1.      Angst. Als Moslem gilt, wer einen muslimischen Vater hat. In mehreren sunnitischen und schiitischen Ländern steht auf Abfall vom Islam die Todesstrafe. In anderen Ländern und Gesellschaften hat der Abfall von Islam zumindest den Ausschluss aus der islamischen Gesellschaft oder Parallelgesellschaft zur Folge, was von vielen als sozialer Tod empfunden wird.

2.      Viele Türken, Kurden, Araber, Perser usw., die eigentlich den Islam zurückdrängen wollen, machen auf Moslem, um überhaupt von ihren Landsleuten angehört und nicht als Ungläubige abgelehnt zu werden. Von solchen wird, um die Herkunftsgesellschaft zu mäßigen, oft wahrheitswidrig behauptet, der Islam sei friedlich. Der Koran wird von einigen zu volkspädagogischen Zwecken selektiv und damit falsch zitiert – es werden unkriegerische Stellen herausgepickt und andere vertuscht.

3.      Andere wenig religiöse Moslems und viele Scheinmoslems machen das nicht bewusst; sie ignorieren den Inhalt des Koran, haben ihn nie gelesen und machen sich und anderen vor, der wirkliche Islam sei das, was ihnen gefällt, was ihr persönliches liberales Umfeld lebt.

4.      In Deutschland sind die Karrierechancen für liberale, areligiöse Türken und andere größer, wenn sie als Moslems auftreten: Man gilt dann als Vertreter jener 98% oder mehr Türken, Araber usw., die für Muslime gehalten werden und sich ja auch nicht vom Islam distanzieren. In den Medien werden hübsche, kopftuchlose angebliche Muslimas geradezu angebetet. Auch Aleviten nutzen diesen Effekt und treten als Vertreter „des Islam“ auf, in dem sie eigentlich geächtet sind.

5.      In Deutschland stehen manche Aleviten auch mit Sunniten zusammen, um gemeinsam türkische Sonderinteressen durchzusetzen. Viele Aleviten sind glühende türkische Nationalisten. Da kämpft dann die alevitisch sozialisierte Integrationsministerin für muslimische Sonderrechte. Ziel ist dabei, den Islam als gleichberechtigt mit dem Christentum zu installieren oder beide zurückzudrängen. Eine Abwertung des Christentums wird als Aufwertung der eigenen Kultur begriffen. Der Islam, den man in der Türkei als Bedrohung empfindet, wird in Deutschland genutzt, um das Türkentum zu fördern.

Wir stehen vor der Situation, dass es zahlreiche wenig religiöse und ungläubige Menschen aus islamischen Ländern gibt, die auf Moslem machen und der deutschen Gesellschaft ein Bild eines Islam vorspielen, in dem Toleranz, individuelle Entfaltung, Frauenrechte, Trennung von Staat und Religion möglich sind und gelebt werden. Hier spielen auch etliche Aleviten mit. Man bietet sich als Vertreter dieser angeblichen muslimischen Toleranz an. Wir haben also, neben der Lobby der reaktionären Islamverbände, auch eine Lobby, die einen „aufgeklärten, modernen Islam“ installieren, zumindest aber vorspiegeln will. Sie besteht vor allem aus Intellektuellen, die religiös oft nicht organisiert sind, sondern ihre Interessen durch Nutzung der deutschen Medien und Politik durchsetzen. Sie lehnen die schlimmsten Auswüchse der islamischen Parallelgesellschaft ab, wollen aber ebenfalls eigene Strukturen durchsetzen und sich an deren Spitze stellen.

Eines, wenn nicht das größte Hindernis bei der Integration von Menschen aus islamischen Gesellschaften ist deren Religion. Es wäre für die deutsche Gesellschaft sehr wertvoll, wenn die islamkritischen Türken, Perser, Araber usw. sich mehr auf ihre Seite stellen würden. Die wenigen, die das entschieden tun, werden sehr positiv aufgenommen, wie etwa Hamed Abdel-Samad, Akif Pirinçci, Cahit Kaya und Sabatina James. Auch andere, die sich wenigstens zeitweise vom Platz zwischen den Stühlen entfernen und sich auf die Deutschen zubewegen, sind beliebt, darunter Necla Kelek. Die Hauptströmung in Politik und Medien versucht, Islamkritik als rassistisch hinzustellen. Dass sie das können, liegt auch daran, dass der Schulterschluss zwischen autochthonen sowie türkisch- und arabischstämmigen islamkritischen Deutschen zu wenig praktiziert wird.

Harald Noth

(Überarbeitete Version des hier erschienenen Artikels „Wir wollen einen aufgeklärten, modernen Islam“: http://journalistenwatch.com/cms/wir-wollen-einen-aufgeklaerten-modernen-islam/ )