Nur grüne Neger sind gut!

    Es soll laut Badischer Zeitung in Emmendingen ein paar Linke und Grüne geben, die an der Fasnetsfigur "Kongo-Neger" Anstoß nehmen, die wohl im 19. Jahrhundert aufkam. Sie sieht, wie die meisten Figuren der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet, nicht politisch korrekt aus, aber freundlich und ihre Träger sind lieb zu den Kindern. 60% von 1405 "Usern" von BZ-online finden, "Tradition ist Tradition", sprich, man solle die Figur auf der Fasnet lassen. Dabei ist zu bedenken, dass viele Konservative längst mit der Badischen Zeitung abgeschlossen haben und bei dieser Abstimmung gar nicht dabei sind. Aber zum Kampfprogramm dieses Blattes gehört nun mal, immer und überall Rassismus zu wittern und zu skandalieren, so auch hier.
    Dabei ist die Nutzung der Figur des Negers auch bei den Grünen und Linken hier in Oberbaden und im Elsass keineswegs unbekannt: So hat etwa der elsässische Dichter André Weckmann in der Bewegung gegen das AKW Wyhl, also in der Geburtsstunde der Grünen, sein Gedicht speak white publiziert, das auf dem Kampfplätzen und in der "Volkshochschule Wyhler Wald" gerne vorgetragen und gesungen wurde. Darin heißt es, und ich bin heute noch von diesem Gedicht fasziniert:

redd wiss / neger / wiss isch scheen / --- / wiss isch franzeesch / franzeesch isch wiss / wiss un chic / elsasser / elsassisch degaje / nit / ...

    Während die Emmendinger Urgroßväter der Figur warum auch immer auf den afrikanischen Fluss Kongo und seine Bewohner kamen, nennt Weckmann die Elsässer darin nach Flüssen im Elsass ill-neger brisch-neger moder-neger und ruft sarkastisch dazu auf, die negersproch ins Museum zu bringen. Während die heutige Kongo-Neger-Figur einfach nur lustig ist, richtet sich Weckmanns Agitation gegen bariss [Paris], also gegen die Franzosen.
"Neger" wird hier als Bezeichnung für den Unterdrückten und Mit-den-Füßen-Getretenen benutzt, aber eben nicht auf reale Schwarze, sondern auf Elsässer projiziert, die man ihrer Kultur und Sprache beraubt. Darf man das? Ja, Linke und Grüne dürfen, damals wenigstens. Überhaupt gab es ja damals zahlreiche Grüne, die innerlich nicht rot, sondern schwarz oder blau waren und vieles anders sahen als die heutige etablierte Partei.

    Der Kongo-Neger der Emmendinger Fasnet ist überaus harmlos, der Träger dieser Maske macht sich über sich selbst lustig, wie auch der Träger einer Hexenmaske oder von sonstwas. Eine politische oder rassische Aussage ist damit nicht verbunden. Möglicherweise, das gibt die Badische Zeitung bzw. Stadtarchivar Jenne im Kasten unter dem Artikel zu, wurde mit dieser Figur ein Kontra der 1883 eingemeindeten Nieder-Emmendinger ausgedrückt, vielleicht auch eine Gegenposition zur "Villa Algier" eines "Kaufmanns, der mit Kolonialwaren reich geworden war: Die Umgebung soll Algier genannt worden sein - während die andere Straßenseite zum Kongo wurde."
    Wer die Schwäbisch-Alemannische Fasnetstradition nicht versteht, sollte in der fraglichen Zeit vielleicht in seine Heimat oder in Urlaub fahren, jedenfalls nicht hier als Spaßverderber und Sprachpolizei auftreten.

16. Februar 2018, Harald Noth

Aus:
Lueg ins Land ohne Scheuklappen - Der Blog von Harald Noth
www.noth.net/lueginsland/blog.htm